Anfrage an das Landratsamt

Die Coronakrise stellt weiter unser gesamtes Leben auf den Kopf. Seitens der Politik werden anhaltend Schreckensszenarien kommuniziert. Die gefährliche Variante b.1.1.7, die britische Virus-Mutante, soll die dritte Welle mit hohen Fallzahlen und einer größeren Tödlichkeit bringen. Auch im Landkreis Limburg-Weilburg wurden die Einschränkungen im Einzelhandel wieder verschärft und eine Ausgangssperre von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens verhängt. Doch ein Blick auf die offiziellen Statistiken lassen Zweifel aufkommen, ob dies alles noch mit rechten Dingen zugeht.

Denn die dritte Welle will sich nicht so recht einstellen.

Zwar sind die Inzidenzwerte von rund 100 (Mitte März) auf aktuell ca. 200 gestiegen. Doch was verbirgt sich genau hinter diesen Zahlen? Hier eine Auflistung von Auffälligkeiten, zu denen ich gerne Aufklärung vom Landkreis erhalten möchte:

  • Der Landkreis weist per 07.04.2021 einen Inzidenzwert von 185,1 aus. Das RKI dagegen errechnet für den 1.4.-7.4.21 eine Inzidenz von 159. Da laut Infektionsschutzgesetz sämtliche Maßnahmen an den Daten des RKI auszurichten sind, würde mich interessieren, wie es zu dieser Abweichung kommt und warum der Landkreis eigene, höhere Daten veröffentlicht.

  • In diesem Wert von 159 des RKI sind jedoch auch Fälle berücksichtigt, die teilweise bis zum 26.3.21 zurückreichen (älteres Referenzdatum). Würde man diese älteren Fälle aus der Inzidenz herausrechnen, läge diese nur bei 155.

  • Während im Dezember beispielsweise rund 66% aller positiv getesteten Personen beim RKI die Markierung "mit Symptomen" erhalten haben, trifft dies in der aktuellen dritten Welle weit weniger zu. In den aktuell 275 Fällen, die beim RKI in die aktuelle 7-Tage-Inzidenz einfließen, haben gerade einmal 7 (!) Menschen laut RKI die Markierung "mit Symptomen" erhalten. Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Limburg-Weilburg nach Symptomen liegt gerade einmal bei 4! Da die britische Mutante ja so gefährlich sein soll (höhere Infektiosität und bis zu 55% höhere Sterblichkeit (laut Auskunft des Landratsamtes), wundere ich mich, dass es kaum symptomatisch erkrankte Personen gibt. Seit 1.3.21 haben laut der RKI-Datenbank gerade einmal 11% aller positiv getesteten Personen Symptome einer Erkrankung aufgewiesen.

  • Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Blick auf die Krankenhausbelegung im Landkreis Limburg-Weilburg. Die Belegung in Normal- und Intensivpflegebetten entwickelte sich seit 1.3.21 wie folgt:

    1.3. - 37 Menschen
    8.3. - 36 Menschen
    15.3. - 28 Menschen
    22.3. - 31 Menschen
    31.3. - 33 Menschen
    7.4. - 36 Menschen

    In den letzten 5 Wochen ist also erfreulicherweise keine Häufung von schweren Krankheitsverläufen zu beobachten. Eine Verzerrung durch die Feiertage ist hier nicht zu befürchten, da sich das Virus und die Erkrankung eines Menschen nicht nach Feiertagen oder Festen richten. Menschen die ernstlich erkranken, werden auch an Feiertagen die Klinik aufsuchen. Wenn die britische Mutation also so infektiös und gefährlich ist, dann muss doch inzwischen ernsthaft die Frage gestellt werden, warum die positiv getesteten Menschen keine Symptome haben und sie damit - logischerweise - auch nicht zu einer Überlastung der Kliniken beitragen.

Mit anderen Worten: auf welcher Faktengrundlage werden die Einschränkungen unserer Grundrechte aufrechterhalten, werden sogar neue Maßnahmen wie die Ausgangssperre beschlossen und nun auf Bundesebene sogar noch weitere Verschärfungen diskutiert? Ich fordere den Landrat des Landkreises, Herrn Michael Köberle, sowie den 1. Kreisbeigeordneten Jörg Sauer sowie sämtliche Fraktionen im Kreistag des Landkreises Limburg-Weilburg auf, den notwendigen Nachweis zu liefern, dass die aktuellen Einschränkungen unserer Grundrechte noch immer notwendig und verhältnismäßig sind - oder sich umgehend für Erleichterungen einzusetzen! Ich fordere ferner dazu auf, dass sinnlose Testen gesunder Menschen, sei es durch die Bürger-Testung oder die Testung unserer Kinder in Kitas und Schulen, sofort zu beenden bzw. gar nicht erst zu starten. Es fehlt dazu schlicht die Erforderlichkeit.

Beharren die Verantwortlichen dagegen auf ihrem Tun, dann sind sie dazu verpflichtet, endlich klare evidenzbasierte Fakten und nicht nur allgemeine, abstrakte Befürchtungsbegründungen zu liefern.


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